Der Düsenjäger in Havelhausen 

Im Frühjahr 1999 erhielten wir von einem Zeitzeugen den Hinweis zum Absturz eines Düsenjägers in der Nähe des Flugplatzes Oranienburg. Nach seinen Angaben ereignete sich der Absturz in den Abendstunden und es gab zwei Tote. Ungefähr 1947 wurde die Absturzstelle durch die Sowjets abgesperrt. Vermutlich wurden alle Teile geborgen.

Die oberflächliche Absuche der Absturzstelle brachte nur sehr wenig zu Tage. Darunter waren keine Teile, die Rückschlüsse auf den Typ des Flugzeuges zuließen. Lediglich zwei Typenschilder auf denen folgendes steht:

Gerät-Nr.

127-265-A2

Anforderungsz.

Fl 22420

Werk-Nr.

9848

Hersteller

afb

 

Horizonttochter

Bauart Patin

Baumuster

PHT / 2

Gerät Nr.

127-86 A

Anforderungszeichen

Fl

Werk Nr.

1782

Hersteller

PATIN BERLIN

Da man davon ausgehen kann, dass die Angaben des Zeitzeugen zu einem Düsenjäger den Tatsachen entsprechen, wurde in der Literatur nachgeforscht. Aufgrund der Angaben zu den zwei Toten wurde die Suche nach dem möglichen Flugzeug weiter eingeschränkt. Nach unserer Einschätzung kam nur die Schulversion der Me 262 oder eine Ar 234 in Frage.

Wir stießen bald auf den Versuchsverband des Oberkommandos der Luftwaffe (OKL) Nachtjagd, die mindestens mit einer Ar 234 B-2N "Nachtigall" von Oranienburg aus starteten. Die erste Ar 234 B traf am 20. September 1944 in der Werft Werneuchen zur Umrüstung auf den Nachtflug ein, einem Besprechungsprotokoll ist zu entnehmen, dass die Umrüstung am 5. November 1944 erfolgreich beendet war. Die einsatzklare Arado wurde  zur Erprobung überführt. Die umgerüstete Maschine ging nach Oranienburg an den Versuchsverband OKL Nachtjagd. 

Der 3./Versuchsverband OKL unter Ritterkreuzträger Hauptmann Josef Bisping sollte monatlich mit je drei zusätzlichen Maschinen dieses Typs ausgerüstet werden. Nachweislich unternahm Hptm. Bisping zwar mehrere Feindeinsätze, von Abschüssen wurde aber nichts berichtet. Bei einem dieser Einsätze kamen der Flugzeugführer Hauptmann Josef Bisping und der Bordfunker Hauptmann Albert Vogl ums Leben. In der Literatur wird als Absturzort Oranienburg angegeben und als Absturzursache eine versehentlich zu früh ausgeschaltete Flugplatzbeleuchtung beim Start, in deren Folge der Flugzeugführer Hauptmann Bisping die Maschine überzog. Beim Nachforschen auf den umliegenden Friedhöfen stießen wir in Lehnitz auf die Gräber dieser Beiden. 

 

 

 

 

   

Ritterkreuzträger Hauptmann Josef Bisping     

Hauptmann Albert Vogl        

Alles deutet darauf hin, dass die Absturzstelle in Havelhausen bei Oranienburg, die etwa in der Verlängerung einer Startbahn des Flugplatzes Oranienburg liegt, die Stelle ist, an der die Ar 234 von Josef Bisping und Albert Vogl abgestürzt ist. 
Der eindeutige Beweis fehlt uns allerdings.