Der Lancaster-Crash bei Vielitz
 

Am Abend des 3. September 1943 starten zwischen 19.30 und 20.45 Uhr  316 Lancaster-Bomber, von denen 18 den Anflug auf Berlin abrechen müssen. Die englischen Viermots fliegen zum dritten Mal, seit dem 24. August die deutsche Hauptstadt an, wobei der Bomberstrom auf direktem Westkurs das Ziel anfliegt.

Die Besatzung von Flying Officer Coates, einem Kanadier, startet mit ihrer Lancaster Mk.III, Serien-Nr. ED755 / Code VN-Q, von der 50.Squadron der Royal Air Force um 20.11Uhr (Londoner Zeit) von der Basis in Skellingthorpe. Drei Stunden später sind die Bomberformationen über Berlin. Über dem Ziel erhält die Lancaster von Coates den tödlichen Treffer, ob von einem Nachtjagdflugzeug oder von der Flak ist nicht zu ermitteln.

Zeitzeugen in Schönberg und Vielitz beobachten, wie ein englischer Bomber, der sich deutlich im flammenroten Horizont über Berlin abzeichnete, auf eine Position zwischen diesen beiden Orten zuraste. Eine Tragfläche stand in Flammen und er verlor immer mehr an Höhe. Kurz bevor er die beiden Orte erreicht hatte, brach die brennende Tragfläche plötzlich ab. Die Anwohner von Vielitz beobachten mit Entsetzen, wie der abstürzende Bomber genau auf das Dorf abdrehte. Doch kurz vor dem Aufschlag zerplatzte die Maschine in der Luft und ein Trümmerregen ging noch vor dem Ort herunter. Die ganze Nacht hinweg war die explodierende Bordmunition zu hören, so berichtet ein Vielitzer. Am nächsten Tag wurde die Absturzstelle von vielen Einwohnern besucht. Aus dem Rumpf des Bombers wurden einige tote Besatzungsmitglieder geborgen, weitere hingen tot in den Bäumen. Ein Zeitzeuge berichtete, dass ein Mann der Crew schwer verletzt geborgen und sofort nach Neuruppin gebracht wurde. Die Toten wurden später abtransportiert. Über den weiteren Verbleib der Toten und des Verletzten haben die Zeitzeugen keine Erkenntnis.

Der Verletzte, von dem der Zeitzeuge berichtet hatte, hat den Absturz nur für kurze Zeit überlebt, denn am 8.September 1943 wurden alle sieben Besatzungsmitglieder dieses Bombers in Neuruppin bestattet. Heute ruhen sie auf dem englischen Soldatenfriedhof in der Heerstraße in Berlin-Charlottenburg.

 Bei der Besichtigung der Aufschlagstelle des Rumpfes, konnten nur wenige Hinweise auf den Bomber gesichtet werden. Doch in diesem Bereich wurde im hohen Gras ein Handfeuerlöscher englischer Bauart gefunden, der zweifellos zu diesem Bomber gehörte. Am Boden dieses Gerätes ist noch der Punkt zu erkennen, der zuerst auf dem Boden aufschlug. Er ist aus einer großen Höhe heruntergekommen. 

Die Besatzung der ED755:

Besatzung

Name

Alter

Status

Grablage

Pilot

F/O Percy H. Coates RCAF

26 Jahre

KIA

Berlin 7/J/23

Navigator

F/O Jack M. Lauder RCAF

unbekannt

KIA

Berlin 7/J/26

Bordmech.

Sgt. George B. Buchan RAF

29 Jahre

KIA

Berlin 7/J/27

Bombenschütze

Sgt. Rae W.B. Collins RCAF

unbekannt

KIA

Berlin 7/J/22

Bordfunker

Sgt. Reginald G. Cooper RAF

19 Jahre

KIA

Berlin 7/J/24

Bordschütze

Sgt. Robert McKeag RAF

21 Jahre

KIA

Berlin 7/J/21

Bordschütze

Sgt. Anthony R.D. Bedbrook RAF

unbekannt

KIA

Berlin 7/J/25